Münsterland aktuell

Ernst Riegel, Creditreform Hagen Berkey & Riegel KG

Finanzkommunikation in der Corona-Krise

Ernst Riegel, Geschäftsführer der Creditreform Hagen Berkey & Riegel KG, im Gespräch mit unserem Mittelstandsnetzwerk.

Herr Riegel, wie schätzen Sie als Geschäftsführer von Creditreform Hagen das aktuelle Anti-Corona-Konjunkturpaket ein?

Bei dem Konjunkturpaket (Senkung der Mehrwertsteuer) bin ich skeptisch, ob damit das gewünschte Ziel erreicht wird. Der immer noch stark gebeutelte Handel muss umfangreiche Umstellungsmaßnahmen für die MwSt-Senkung vornehmen, und das für einen Zeitraum von nur sechs Monaten. Dann darf er erneut umstellen zurück auf 19 %. Ob dann tatsächlich mehr gekkauft wird, weil ein Teil des Handels die Preise reduziert, ist auch nicht klar. Die großen Möbelhäuser schenken schon jetzt zusätzlich zu den üblichen Rabatten ohnehin häufig die MwSt. Und auch die Autohäuser bieten einem bereits jetzt schon teils über 30 % Rabatt beim Kauf eines Neuwagens (habe ich letzte Woche über ein Portal selbst geprüft). Aber warten wir es ab. Und was soll es für die Unternehmen im B2B-Geschäft bringen - außer Aufwand?

Aber die KfW hat doch ein umfassendes Kreditprogramm bereitgestellt. Nützt das nichts in der Wirtschaft?

Das Paket an KfW-Fördermitteln ist an sich ein gute Sache, wenn die Unternehmen die Mittel noch rechtzeitig erhalten, denn viele benötigen es sehr dringend. Die Kreditvergabe ist an bestimmte Bonitätsvoraussetzungen geknüpft. Das schränkt den potenziellen Empfängerkreis ein. Wir sehen rund 380.000 Unternehmen mit schwacher bis mangelhafter Bonität und knapp 200.000 Unternehmen, deren Bonität gänzlich ungenügend ist bzw. die nur noch unregelmäßig Zahlungen leisten. Diese haben nur deshalb bislang überlebt, weil das Zinsniveau so niedrig ist bzw. weil die Insolvenzantragspflicht bis zum 30.09.20 ausgesetzt ist.

Die KfW-Regeln für die Vergabe von den Corona-Fördermitteln, macht es den Unternehmen zudem nicht immer leicht daran zu kommen. So müssen sich z. B. Unternehmen verpflichten, für die gesamte Kreditlaufzeit (10 Jahre) keine Ausschüttungen vorzunehmen. Außerdem dürfen die Geschäftsführergehälter 150.000 p.a. (inkl. geldwerter Vorteil) nicht überschreiten. Auch gibt es die neue Bewertungsvorgabe, dass bei der Bilanzbewertung für den Kreditantrag die Gesellschafterdarlehen nicht mehr zum Eigenkapital hinzugerechnet werden dürfen. Es gibt aber zahlreiche Unternehmen bei denen das Eigenkapital zum großen Teil aus Gesellschafterdarlehen besteht, was ja an sich auch nicht verwerflich ist. Diese dürften somit keine Fördermittel mehr erhalten.

Wie schätzen Sie die durch den Lockdown hervorgerufene Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen ein?

An den im ersten Halbjahr rückläufigen Insolvenzzahlen zeigt sich, dass die Regelungen etwas übers Ziel hinausgeschossen sind. Unternehmen, die schon längst – auch ohne Corona – hätten Insolvenz anmelden müssen, brauchten dies aufgrund der Ausnahmeregelung (bis 30.09.2020) bislang nicht zu tun. Deshalb wird es im Herbst umso heftiger „krachen“. Wir gehen hier von einer Steigerung um 20 % im Vergleich zum Vorjahr aus. Zum Vergleich - in der Finanzkrise 2009 betrug der Anstieg nur 11 %.

Was raten Sie den Unternehmen aktuell?

Auf jeden Fall zwei Dinge: Erstens sollten sich die Unternehmen um die korrekte Darstellung Ihrer Bonitätsauskunft kümmern und eine aktive Finanzkommunikation betreiben. Aufgrund der momentanen Situation schauen alle Lieferanten, Banken, Leasinggesellschaften etc. genau hin. Zweitens sollten alle, die noch kein systematisches Monitoring zur fortlaufenden Beobachtung der Bonität ihrer Abnehmer eingerichtet haben, damit unverzüglich beginnen und klare Regeln für den Umgang mit säumigen Debitoren aufstellen. Aufgrund der zu erwartenden steigenden Ausfallzahlen wird es ansonsten gefährlich. 

Um die möglichen Ausfälle zusätzlich abzusichern, steigt bei uns gerade sehr intensiv die Nachfrage nach unseren speziellen Kreditversicherungsangeboten, die wir mit unseren Kooperationspartnern speziell für den Mittelstand entwickelt haben.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Riegel.

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