Strategien bei Einkaufsinflation

Preismacht

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Die globalen Lieferketten sind aktuell massiv gestört. Die Preise für Transporte, Container, Rohstoffe, Vorprodukte und Energie steigen in bedrohlichem Ausmaß. Viele Unternehmen stehen vor gewaltigen existenziellen Herausforderungen. Doch es gibt auch Gewinner. Wer über Preismacht (Pricing Power) verfügt, kann die gestiegenen Einkaufspreise an seine Kunden weitergeben. Wer gehört dazu? Und wie kommen Sie in den erlauchten Kreis?

Monopoly

Über große Marktmacht verfügen Monopolisten, also Unternehmen, die einen Markt alleine beherrschen. Das Gegenteil davon ist das Polypol, bei dem sich sehr viele Anbieter in einem Markt tummeln und die Wettbewerbsintensität hoch ist. Das ist gut für Kunden, da sich das Preis-Leistungsverhältnis tendenziell ständig verbessert, schlecht jedoch für die Eigentümer (Kapitalisten), da sich ihre Rendite reduziert. Kein Wunder, dass US-Tech-Unternehmer Peter Thiel (Paypal, Palantir) in seinem Buch „From Zero to One“ den Wettbewerb verdammt.

„Böse“ Monopolisten

  • Natürliche Monopole: Häufig sind es Staatsbetriebe in Versorgungsbranchen wie früher in Deutschland die Deutsche Post oder aktuell noch die Deutsche Bahn, die in rechtlich geschützten Bereichen meist teuer und schlecht operieren. Sie bieten auch immer wieder gerne Versorgungsposten für altgediente Politiker.
  • Konzerne, Kartelle: Die Wirtschaft tendiert zur Ausschaltung des Wettbewerbs, weil es sich dann einfacher und besser leben lässt. Macht entsteht durch Konzernbildung, meist durch Kauf von Wettbewerbern und mittelständischen Unternehmen, und durch illegale Kartellabsprachen. Das Wettbewerbsrecht versucht dagegen vorzugehen, scheint dabei im Zuge der wachsenden Macht globaler Konzerne immer weicher zu werden.
  • Lobby-Monopole: Macht entsteht auch, wenn die Politik auf Betreiben von Konzernlobbyisten Gesetze erlassen, die die mittelständischen Unternehmen benachteiligen, weil sie z. B. nicht über die teuren Stabsabteilungen verfügen, die die rechtlichen Erfordernisse abarbeiten können (z. B. Compliance, Berichte).

"Bessere“ Monopolisten

  • Love-Brands: Bessere Monopolisten sind Unternehmen, die durch ihre exzellenten Produkte (z. B. Apple) und Services (z. B. Amazon) zumindest eine Top-Position in einem Oligopol erreicht haben. Sie werden von ihren Kunden „geliebt“.
  • Pioniere: In einem blauen Ozean ohne Wettbewerber (Blue Ocean) schwimmen zumindest eine Zeit lang die Pioniere, die als erste eine Innovation einführen.
  • Luxusanbieter: Preise für teure Produkte wie Uhren, Schmuck, Kleidung, Autos und Häuser lassen sich meist mühelos anheben. Sie profitieren vom Snob-Effekt.
  • Must-have-Anbieter: Es gibt Produkte, die maßgefertigt sind und beim Kunden nur einen kleinen Kostenanteil haben. Dazu gehören z. B. Hersteller von Spezialklebstoffen, die in der Automobil- und Flugzeugbranche eingesetzt werden. Ihre Preise sind auch elastisch. Im Konsumgüterbereich sind es z. B. Anbieter von Hygieneprodukten.

„Arme“ Polypolisten

Unternehmen, die dem harten Wettbewerb ausgesetzt sind und keine besonderen Alleinstellungsmerkmale haben, können gestiegene Einkaufspreise dagegen nur schwer an Kunden weiterreichen. Dazu gehören auch zyklusabhängige Rohstoffanbieter (z. B. Bergbau). Bei einer Inflation der Einkaufspreise bleiben diesen Unternehmen meist nur Restrukturierungsmaßnahmen wie Kostensenkung, Investitionsstopp, Kapazitätsstilllegung oder Verkauf übrig.

Fazit

Die Preismacht, z. B. gemessen an der Stabilität der Gewinnmarge, ist in inflationären Zeiten ein wichtiges Bonitätsmerkmal. Hinzu kommt aus Investorensicht die Höhe der Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die die Stellung des Preismächtigen durch neue Innovationen stabilisieren soll.

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Best-Practice-Beispiele

17.05.2022

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ZWILLING, Solingen

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